Schützenverein Horneburg
und Umgebung
von 1856 e.V.

 

Die Gründung des Schützenvereines

Der Horneburger Hafen

Die 50 bis 70 t goßen Ewer, die mit der Flut mehrmals wöchentlich die Lühe heraufkamen, brachten Getreide für die Mühle Sierke am Marschdamm. Für die Durchfahrt unter der Lühebrücke waren oft nur 5 cm unter dem Kiel oder über den umgelegten Masten frei. Oft reichte die Durchfahrtshöhe aber auch trotz aller Bemühungen nicht aus; dann wurden - auch nachts - Friedel und Herbert Bösch mit ihren Eltern und auch Heinrich Hartmann herausgetrommelt, um das Schiff unter der Brücke "durchzudrücken", d.h., sie sprangen auf das Schiff und drückten mit ihren Buckeln gegen die Träger der Brücke das Schiff Meter für Meter unter der Brücke durch.

Auf der Rückfahrt nahmen die Ewer Kartoffeln von der Geest mit. Die Pferdefuhrwerke aus dem Harsefelder Raum mit Kartoffeln standen vor der Verladung oft in langer Schlange auf dem Marschdamm.

Es wurden im Horneburger Hafen auch Ziegelsteine aus Kehdingen gelöscht und mit Pferdefuhrwerken zu den einzelnen Baustellen in Horneburg gefahren. So ist das Pastorenhaus in der Issendorfer Straße als eines der letzten Häuser mit solchen Ziegelsteinen gebaut worden. Für die Rückfahrt lud man Feldsteine für den Deichbau an der Elbe. Vor der Verladung wurden sie am Hafen zerkleinert. Die Karren hatten hinten eine Rolle, damit man die zu schweren Steine auf den Steg rollen und dann ins Schiff kippen konnte.

Als Ende der zwanziger Jahre die Lastkraftwagen den Schiffen immer mehr Konkurenz machten, wurde die Schiffahrt im Horne-burger Hafen um 1930 eingestellt. (nach den Erinnerungen unseres Ehrenmitgliedes Friedel Bösch)

Die ersten Jahre

Über die Gründung des Schützenvereins Horneburg gibt es leider keine schriftlichen Überlieferungen mehr. Wir besitzen jedoch noch Schützenfest-Plakate aus den Jahren 1857, 1865 und 1869, die uns viel aus den ersten Jahren der Vereinsgeschichte erzählen.

Im Frühling des Jahres 1856 wird der Horneburger Kaufmann H.M. Martinius vom Marschdamm zusammen mit einigen Freunden an einem Sonntagvormittag im Zweispänner nach Stade kutschiert sein, um dort dem Übungsschießen der Stader Schützen zuzusehen. Vielleicht hatten sie auch schon im Jahr zuvor beim zweiten Stader Schützenfest mitgefeiert. Was sie in Stade erlebten, muß sie stark beeindruckt haben; denn als sie gegen Aben durch das Alte Land wieder nach Hause gefahren waren und die Pferde versorgt hatten, setz-ten sie sich in "Herrn Hartmann´s Local" an der Lühebrücke zusammen, um alles noch einmal zu überdenken. An einem solchen Abend muß die "Horneburger Schützen Gesellschaft" gegründet worden sein.

Beim "Chaussee-Einnehmer G. Domeier in der Nähe des Daudieker Holzes" hat in der ersten Jahren das "Horneburger Vogel- und Scheibenschießen" stattgefunden. Geschossen wurde mit Vorderladern, die etwa 15 Pfund wogen. Da freihand geschossen wurde, bedeutete das Schießen eine große Kraftanstrengung. Der Schießstand, der hinter mächtigen Buchen des jetzigen Gasthauses "Waidmannsruh" versteckt lag, bot aber wohl bald nicht mehr die erforderliche Sicherheit, so dass er um 1865 in das Eichenholz verlegt werden musste. Gemeint ist damit das Krähenholz westlich der heutigen Bundesstraße 73.

Vierzig Jahre lang sind dort beim Guts-pächter H. Wohlers die Horneburger Schützenfeste gefeiert worden. 1969 wurde Theo Schering mit 19 Jahren der jüngste Schützenkönig der Vereinsgeschichte. Er muss sein Schützenvolk gut regiert haben, denn neun Jahre später errang er erneut die Königswürde.

Der neue Schießstand

Als um 1880 die Vorderladergewehre durch die Hinterlader ersetzt wurden und sich damit die Tragweite und die Durchschlagskraft der Geschosse erhöhte, war der Schießstand im Krähenholz nicht mehr sicher genug, und der Besitzer des Holzes, Herr Arp von Düring, mußte seine Genehmigung für den Schießstand und den Festplatz kurz nach der Jahrhunderwende zurückziehen. Darauf stellte der Wirt des "Kühlen Grundes", Herr Fritz Krämer, dem Verein das Teichgelände hinter seinem Hause als Schießstand zur Verfügung.

Der Zimmermeister Hinrich Gooßen erbaute zum Preis von 1.614 Mark fünf Schießstände zu je 140 Meter und einen Vogelstand. Im Protokoll heißt es weiter: "Ferner wurde beschlossen den Schützenverein im Vereinsregister eintragen zu lassen. Und wird dem Vorstand mit der Commission zusammen auferlegt, die Sache weiter zu veranlassen. C. Dronia, H. Leue Schriftführer, H. Meldau, F. Grimm, G. Engelke." Damit erhielt der Verein wohl seinen endgültigen heutigen Namen. Die gerichtliche Eintragung erfolgte jedoch erst um 1924. Seit 1895 konnten die Schützenbrüder mit ihren Damen nach dem Fest "erleuchtet" nach Hause gehen; denn seit 1895 hatte Horneburg ein eigenes Elektrizitätswerk. Es stand beim Haus "Melzer" in der Langen Straße.

Der Antrag

Am 13. August 1905 stellte der Schützenbruder W. Bröcker den Antrag, "ob es nicht angebracht sei, beim Ortsausschuß den Antrag zu stellen, dass der jeweilige Schützenkönig von den Gemeinden Lasten befreit zu sein, und wird durch Stimmenmehrheit beschlossen, den Antrag zu stellen."

Trotz emsigen Suchens in den Akten der folgenden Jahre konnte der Chronist nicht ermitteln. wie der Fleckensvorsteher den Antrag aufgenommen hat. Wir müssen jedoch annehmen, dass die Schützenkönige brav weiter ihre Steuern bezahlen mussten, wie es nachweislich leider bis zum heutigen Tag geblieben ist. Im Jahre 1909 sah man sich sogar gezwungen, den Vierteljahresbeitrag von einer Mark auf eine Mark und fünfzig Pfennig zu erhöhen, damit in jedem Jahr ein Schützenfest gefeiert werden konnte.

Das 50. Jubiläum

Das 50. Jubiläumsschützenfest am 8. und 9. Juli 1906 fand bereits auf dem neuen Schießstand und Festplatz im "Kühlen Grunde" statt. Es wurden dazu die Nachbarvereine Buxtehude, Stade, Altkloster, Harsefeld, Bremervörde, Moisburg, Hollenstedt, Elsdorf, Estebrügge, Himmelpforten und Zeven eingeladen. Über den Verlauf des Jubiläumsfestes sind leider keine Aufzeichnungen mehr vorhanden. Es war das Jahr, in dem man in Horneburg das erste von den Brüdern Fritz und Theo Reuter erworbene Automobil bestaunen konnte.

Unser Ehrenmitglied Wilhelm Klug berichtet, dass der Horneburger Schützenverein von jeher enge freundschaftliche Verbindungen zu den Nachbarvereinen hatte. Zum Schützenfest sammelten sich die auswärtigen Gäste, die mit Pferdefuhrwerken angereist waren, jeweils in den verschiedenen Gastwirtschaften an den Ortseingängen. Nachdem die Pferde versorgt waren, ist es an diesen Treffpunkten beim Erzählen der Neuigkeiten sicher stets recht fröhlich zugegangen, bis man schließlich beschwingt zum Festumzug aufbrach.

Die Vereinsfahne

Im Januar 1910 beschloß der Verein die Anschaffung einer Vereinsfahne. Am 13. Februar 1910 konnte der Vorsitzende der Generalversammlung bereits mitteilen, dass durch Spenden "bis Dato ein Betrag von M 406,25 zur Anschaffung einer Fahne zur Verfügung stehen. Die Versammlung beschließt eine neue Zeichnung von der Firma Reincke, Hannover einzufordern und bleibt dem Vorstande das Weitere überlassen. Der Preis für die Fahne ist auf M 250,- festgesetzt."

Die Fahne besitzt der Verein heute noch. Sie war jedoch im Laufe von sieben Jahrzehnten arg zerschlissen und wurde 1979 durch Spenden der Schützenschwestern und Schützenbrüder von Fräulein Wilhelmine Fitschen, Horneburg, in monatelanger Arbeit restauriert.

Abstimmung

Über die Durchführung eines Schützenfestes wurde Damals in jedem Jahr neu abgestimmt, und über die Ausschreibung und Besetzung für die Musik erhitzten sich bereits vor einhundert Jahren die Köpfe. Auch der Ablauf der Schützenfeste war unter-schiedlich. So heißt es zum Beispiel 1912:
"Die Versammlung beschließt in diesem Jahr ein Schützenfest wiederzufeiern und zwar an dem festgesetzten Termin. Der Verein pachtet für die beiden Schützenfesttage, vorläufig versuchsweise auf ein Jahr von Herrn Kremer den Festplatz außer dem Platz vor seinem Hause für M 150,-. Der Verein hat das Recht sämtliche Schau- und Kuchenbuden zu vermieten und dafür die Platzmiete einzunehmen. Ebenso verpachtet der Verein die Festzelte." 
1913 wird die Musik "Herrn Joh. Leue, hier, für M 220,- übertragen."